Interview zum Lehrgang: Ankommen. Wohnen. Bleiben

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„Weiterbildung als Hebel“

Dr. Adelheid Wimmer, Geschäftsführerin Wohnen Plus Akademie, im Gespräch

Gemeinsam mit neunerimmo entwickelte die Wohnen Plus Akademie ein völlig neuartiges Kursangebot, um MitarbeiterInnen von Hausverwaltungen gemeinnütziger Wohnbauvereinigungen im Umgang mit herausfordernden Mietverhältnissen zu stärken. "Ankommen. Wohnen. Bleiben. Häuser verwalten - Beziehungen gestalten" startet am 13. September 2021 und wird mit einem Lehrgangszertifikat abgeschlossen.

Das neue Kursangebot ist österreichweit einzigartig. Warum gerade jetzt?

Adelheid Wimmer: Wir, die Wohnen Plus Akademie, führen seit vielen Jahren Seminare für Wohnbauunternehmen durch und haben uns sehr intensiv mit den Aufgaben der MitarbeiterInnen von Hausverwaltungen beschäftigt. Aus den Seminaren nehmen wir wahr, dass die MitarbeiterInnen sehr um die Anliegen der BewohnerInnen bemüht sind, sich aber zunehmend mit schwierigen Situationen und herausfordernden Mietverhältnissen und Kontakten konfrontiert sehen.

Was genau sind die neuen Herausforderungen für Hausverwaltungen?

Wimmer: Aktuell sind sie in vielerlei Hinsicht gefordert: Neben anspruchsvollen technischen, infrastrukturellen, rechtlichen und die Abrechnung betreffenden Fragen, bringt auch der sozialkommunikative Bereich immer neue Herausforderungen mit sich: MitarbeiterInnen in Hausverwaltungen haben täglich mit unterschiedlichsten Menschen zu tun und jede/r möchte, das eigene Anliegen verstanden und rasch erledigt haben. Das braucht Menschenkenntnis und hohe kommunikative Kompetenz. Uns geht es im Praxis-Lehrgang hier auch ganz stark um Stärkung, um Empowerment der MitarbeiterInnen: Denn wir alle wissen, wenn es mir selber gut geht, kann ich auch besser für andere da sein und schwierige Situationen besser meistern.

Und was noch dazukommt: Hausverwaltung soll kein SolistInnen-Job sein, wir wollen im Kurs das Selbstverständnis stärken, nicht alles alleine machen zu müssen. Daher werden wir Hilfssysteme aus dem Gesundheits- und Sozialbereich und kommunale Einrichtungen vorstellen, die zur Lösung von Problemen aus ihrem Fachbereich etwas beitragen können. Wir brauchen „Mehrsprachigkeit“ in den Lösungsansätzen.

Denken Sie, der Lehrgang könnte auch an der Wohnungssicherung mitwirken?

Wimmer: Natürlich. Über alle Fragen des Wohnens kann man aus meiner Sicht nur nachdenken, wenn man Wohnungslosigkeit mitdenkt. In meinem zweiten Beruf als Psycholanalytikerin beschäftige ich mich intensiv mit Ergebnissen der Gehirnforschung und was für Menschen wichtig ist. Das Bedürfnis nach sozialer Einbindung ist für unser Menschsein essentiell, Wohnen gehört dazu. Alles was Menschen zufriedener macht und Sicherheit gibt, dient auch als Stressregulativ. Gerade im letzten Jahr wurde die Lebenssituation vieler Menschen unsicherer und belastet. Wir schätzen es sehr, dass die Gemeinnützige Wohnungswirtschaft sich bemüht, die Wohnungsversorgung aufrecht zu erhalten – nicht zuletzt zur Armutsbekämpfung. Wir denken, dass unser neuer Praxis-Lehrgang hier sehr stark zielgerichtet und präventiv mitwirken kann.

"Ankommen. Wohnen. Bleiben. Häuser verwalten - Beziehungen gestalten" - warum dieser Titel?

Wimmer: Er beschreibt alles, worum es uns im Lehrgang geht. „Beziehungen gestalten“, das bedeutet für uns auch Sicherheit geben. Die BewohnerInnen sollen sich sicher fühlen und dort bleiben können, wo sie angekommen sind, in einem sicheren Wohnraum. Wir sehen BewohnerInnen in Häusern als Gemeinschaft, ein Miteinander oder eben ein entspanntes Nebeneinander, ein Wohnhaus als soziale Community sollte das gemeinsame Ziel sein. Die MitarbeiterInnen von Hausverwaltungen sollen durch die Schulung im Umgang auch mit schwierigen Situationen sicherer werden und so das „Bleiben können“ – wenn möglich und wenn notwendig in Kooperation mit Hilfssystemen – sichern helfen.

Wie sieht für Sie die ideale Hausverwaltung in gemeinnützigen Wohnbauten aus?

Wimmer: Neben dem zuvor genannten „Empowerment“ für die MitarbeiterInnen sowie Sicherheit für die BewohnerInnen, muss eine Hausverwaltung auch gute Grenzen setzen, denn Schutz bedeutet auch Sicherheit. Dabei geht es natürlich auch permanent um Ausloten von Grenzen – so viel Inklusion wie möglich und gleichzeitig so viele Grenzen wie nötig, damit soziales Zusammenleben möglich ist.

Warum arbeiten Sie bei diesem Projekt mit neunerimmo zusammen?

Wimmer: Die Arbeit und der Zugang sowohl von neunerimmo als auch neunerhaus haben uns von Anfang an sehr beeindruckt und angesprochen, in der gemeinsamen Zusammenarbeit haben wir auch sehr viel gelernt. Der Zugang, einerseits die einzelnen Schicksale und individuellen Lebenswelten der NutzerInnen und BewohnerInnen vor Augen zu haben und andererseits soziale und gesellschaftspolitische Entwicklungen auch professionell mit Zahlen und Fakten zu untermauern, schätze ich sehr. Denn auch wir wollen mit all unseren Produkten und Überlegungen – und den Kompetenzen, die wir haben – mitwirken die Gesellschaft zu gestalten, in der ein gutes Leben für alle möglich ist. Hierfür ist Weiterbildung ganz sicher ein wichtiger Hebel.

Adelheid Wimmer Wohnen Plus Akademie

Dr. Adelheid Wimmer, Geschäftsführerin Wohnen Plus Akademie

Über den Kurs:

Praxis-Lehrgang: "Ankommen. Wohnen. Bleiben. Häuser verwalten - Beziehungen gestalten", Kursstart: 13. September 2021,
3 Module, Praxisreflexion, Lehrgangsabschluss mit Zertifikat
Anmeldeschluss: 17. August 2021
Details hier
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